Puppen

Lenziade 2002

Pumperlgsuaaaaah

Autor: Herbert Berger
Regie: Martin Hetzendorfer

Herbert Berger ist der Verfasser von "schwarzen" kleinen Theaterstücken (er nennt sie "Böse Stücke"), die einen wachen Blick dafür zeigen, wie sich das Grauen im scheinbar ganz "normalen" Alltag anschleichen kann - und kaum hat man sich's versehen, ist man aus der Realität in eine Überwirklichkeit entführt, in der die schwarzen Seelen hausen...
"Pumperlgsuaaaaah" ist ein kleines Meisterstück, das seinen anspruchsvollen Untertitel "Totentanz" zurecht führt. Wer kennt sie nicht aus eigener Anschauung, jene alten Menschen, deren größtes Vergnügen es ist, denTod von Altersgenossen (oder sogar Jüngeren) zu registrieren, weil dies ihr eigenes Lebensgefühl unermesslich steigert? Herbert Berger hat dies ungemein scharf beobachtet, er hat aber auch Möglichkeiten weitergedacht. Und wer die seltsame, fast morbide Nahbeziehung des Wieners zum Tod kennt, dem wird die Idee des Josef Hacker [...] zwar verrückt, aber auf verrückt-wienerische Art logisch vorkommen ...
Dieses Stück lebt wie alle anderen Stücke Herbert Bergers von der Sprache, die ihre Figuren charakterisiert, ein an sich anheimelnder Dialekt, der leicht ins Boshafte, Bösartige, Böse ausufert und mit winzigen Schlaglichtern Stimmungen, Reaktionen und Seelenverfassungen preisgibt. Und so vertraut wie die Sprache sind auch die Menschen, die er gern in Extremsituationen schlittern lässt, wo sie dann unvertraut-entsetzliche Gesichter zeigen.
Die Möglichkeiten des "Volksstücks", dem Herbert Bergers schwarz-wienerische Piecen wohl zuzuordnen sind, bewegen sich bekanntlich auf der vollen Bandbreite zwischen flachster Gefälligkeitsunterhaltung bis zur schärfsten sozialkritischen Analyse. Berger ist da zweifellos auf der Positiv-Seite zu finden - bei aller Drastik der Schilderung, die äußerlich wirklich komisch ist, versäumt er doch nie, im Zuschauer einen fast kathartischen Prozess des Erschreckens und in der Folge Erkennens auszulösen, der im besten Fall zu dem unheimlichen Gefühl führt: So sind die Menschen von nebenan - so bin am Ende auch ich.

Dr. Renate Wagner

Zum Inhalt:

Josef Hacker, für einen Mann in den Siebzigern bei guter Gesundheit, sammelt die Partezettel seiner verstorbenen ehemaligen Schulkollegen. Nur einer fehlt ihm noch in seiner Sammlung: der von Tischendorfer. Von ihm weiß Hacker nichts, und das beunruhigt ihn ? sollte ihn am Ende doch einer seiner Klassenkameraden überleben?
Sein Enkel Thomas macht sich erbötig, nach Wolkersdorf zu fahren und dort nachzusehen, ob Tischendorfer noch lebt bzw. wie es um ihn bestellt ist. Er kommt mit für Hacker beunruhigenden Nachrichten: Tischendorfer ist wohlauf und offenbar bei bester Gesundheit. Er folgt einer Einladung zur Kaffeejause, dabei erzählt er von seinem erfüllten Altersleben sowie von der Tatsache, dass er noch einmal geheiratet hat und Vater geworden ist. Hacker verfällt. Doch wenige Wochen nach diesem Besuch ziert auch eine Parte von Tischendorfer Hackers Album mit dem Klassenfoto und den anderen Parten . . .



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