Puppen

Theatersommer 2001

Don Camillo und Peppone

Autor: Giovannino Guareschi
Regie: Andreas Krenner

"Lachen mit Jesus und Marx", so betitelte der deutsche Filmjournalist Hans Messias einst einen Artikel im katholischen Filmdienst. Besser kann man die Handlung sämtlicher Filme um den Geistlichen Don Camillo und seinen kommunistischen Widersacher, Bürgermeister Peppone, kaum zusammenfassen. Die Geschichte der beiden, die in diesem Film ihren Anfang nimmt, spielt in Brescello, einem armen Städtchen in der italienischen Poebene. Sie beginnt kurz nach dem Ende des Zweite Weltkrieges. Vor Kurzem haben in Brescello Wahlen stattgefunden. Und gewonnen haben die Kommunisten, deren Anführer Peppone einst im Widerstand gegen die Faschisten gekämpft hat. Wie Don Camillo, der Priester. Ohne dass sich die beiden dies zugestehen wollen: Ihr Widerstand gegen die Faschisten ist nicht das einzige, was sie verbindet. Noch mehr verbindet sie wahrscheinlich ihre Dickköpfigkeit. Wenn Peppone eine Rede zur Wahl des Bürgermeisters hält, dann läutet Don Camillo die Glocken, um die Worte seines Widersachers verklingen zu lassen. Wenn der Bürgermeister seinen Sohn Lenin nennen will, verweigert Don Camillo die Taufe, holt sie aber nach, nachdem ein christlicher Name gewählt wurde (um dann stillschweigend einen Lenin dem Namen anzuhängen).

Miteinander können die beiden in ihrem kleinen Städtchen wahrlich nicht leben. Ohne aber erst recht nicht! Denkt man an ihre herrlichen Streitereien zurück, vergisst man sehr oft, dass Don Camillo und Peppone eigentlich eine sehr sanfte Komödie ist, die nie den Hintergrund, vor dem die Geschichte spielt, außer Acht lässt: Eine Welt, in der Systeme aufeinandertreffen, in der Weltsichten einander auszuschließen scheinen und in der die Menschen doch nur eines wollen: Ein bisschen Wohlstand und Frieden.

Da ist die Geschichte des Streits zwischen den Großgrundbesitzern und den Arbeitern, in dem Don Camillo zwischen die Fronten gerät -- obwohl seine Sympathie den Kommunisten gehört, denn es sind die Großgrundbesitzer, die die einfachen Menschen ausbluten lassen. Doch wie kann er als Priester offen für die Kommunisten eintreten?

Da ist die Geschichte des jungen Kommunisten, der das Mündel eines Besitzenden liebt und bereit ist, mit ihr, wenn ihnen die Ehe verboten wird, in den Tod zu gehen.

Und da gibt es die Geschichte der kommunistischen Ratsmitglieder, die als erwachsene Männer lesen und schreiben lernen möchten, weil sie es in der Schule nicht gelernt haben. Nicht, weil sie faul waren -- sondern weil sie auf den Feldern schuften mussten, um überleben zu können.
Dies alles wäre der Stoff eines Sozialdramas gewesen. Doch der französische Regisseur Julien Duvivier hat es verstanden, aus diesem Stoff eine Komödie zu inszenieren. Eine das Leben bejahende Komödie, die aufzeigt, dass es für alles im Leben eine Lösung geben kann -- vorausgesetzt Menschen wie Don Camillo und Peppone treffen aufeinander. Denn bei all ihren Streitereien, Sticheleien und sogar Handgreiflichkeiten: In ihrem Kern sind beide gute Kerle, denen das Wohl der anderen mehr am Herzen liegt als ihre eigene Glückseligkeit.
--Christian Lukas



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'Theaterstücke bestehen im wesentlichen aus Liebe, Wahnsinn, Tod.'

Gustav Seibt

 
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