COVID-19 und die Bühne Heidenreichstein



Sehr geehrtes Publikum,
Wir leben in einer "neuen Normalität", und hoffen, dass wir bald wieder in die alte Normalität zurückkehren können. Nur bis dahin sehen wir uns außer Stande, Ihnen und uns das Theater zu bieten, das Sie und wir von uns gewohnt sind. Somit kamen wir zu dem, für uns wirklich schmerzhaften, Entschluss das Jahr 2020 vorbei ziehen zu lassen und alle Produktionen auf 2021 zu verschieben.

Wir werden weiter versuchen Ihnen auf unserer Facebook-Seite auf andere Art und Weise Kultur zu vermitteln.

Alle Abobesitzer brauchen nichts zu tun, die Abos behalten einfach für das Jahr 2021 ihre Gültigkeit.

Wir wünschen dennoch ein schönes 2020 und Xund bleiben!

Puppen

Theatersommer 2000

Der eingebildete Kranke

Autor: Jean-Baptiste Molière
Regie: Otto Bauer

Komödie in drei Aufzügen Uraufführung: 10.2.1673, Paris, Palais Royal Ballettkomödie - typisch für die Zeit Louis XIV;

Komödie, in die ein Ballett eingefügt ist, oder Ballett mit integrierter Komödie Ursprünglich mit einem Prolog zur Verherrlichung des Königs. Das Stück durfte wegen des Konflikts mit Lulli nicht bei Hof aufgeführt werden. Daher schrieb Molière einen neuen Prolog und erteilte Charpentier den Auftrag, die Musik zu den Tanzeinlagen zu schreiben.

- autobiographische Züge (Bändigung von Krankheit und Tod durch Lachen); Molière hatte wegen seiner eigenen Krankheit sein Theater vorübergehend schließen müssen, war aber mit dem Leben davongekommen, "aller Scharlatanerie zum Trotz". Er wusste aber, dass er unheilbar krank war.

- bürgerlich begrenztes Milieu, um die offizielle Haltung der Medizin zu verurteilen (= zeitgenössische Brisanz); Wechselspiel zwischen geschäftstüchtigen und zugleich inkompetenten Medizinern einerseits und Patienten, die sich zur Krankheit nur allzu leicht überreden ließen, andererseits.

- bestimmte Rituale/Jargon, verbunden mit entsprechender Kleidung, machen die ganze ärztliche Kunst aus

- Molière stirbt nach der 4. Aufführung - auf den Tag genau ein Jahr nach dem Tod seiner Geliebten, Freundin und Gefährtin: Madeleine Béjart. "Bereits tagsüber fühlt sich Molière erschöpfter als gewöhnlich; doch weigert er sich, die Vorstellung ausfallen zu lassen,". Er begründet dies damit, dass 50 arme Arbeiter davon abhängen, dass gespielt wird. Er würde sich vorwerfen, es verabsäumt zu haben, ihnen das Brot für diesen einen Tag zu geben, obwohl er es konnte. "Im Bewusstsein des sicheren Todes hatte Molière gegen neun Uhr um die Spendung der Sterbesakramente gebeten. Zwei Priester lehnen ab; ein dritter trifft erst unmittelbar nach seinem Tode ein." Ein christliches Begräbnis blieb Molière daher versagt. Erst auf Gesuch Armandes beim König wurde die Erlaubnis zur Bestattung erteilt, doch unter ausdrücklichem Vorbehalt einer Zeremonie. Molière wurde am 21. Februar bei Dunkelheit bestattet, allerdings wurde die Bestattungsurkunde nicht unterzeichnet.

DER REGISEUR

Warum "Der eingebildete Kranke"
Warum ein Stück, das viele Menschen schon gesehen oder gelesen haben, das in der vergangen Theatersaison schon in Pürbach gespielt wurde?

Die Antworten darauf sind komplex und doch wie ich glaube, recht einfach.

- Ein Stück in der Burg zu inszenieren ist immer etwas Besonderes. Daher sollte man bei der Auswahl schon auf Klassiker Rücksicht nehmen. Das Stück soll also einen Namen haben, den jeder zumindest vom Hörensagen kennt.

- Die Laienbühne Heidenreichstein hat bis jetzt noch keinen Moliére dargeboten, dabei zählt er zu den meistgespielten Dramatikern Europas.

- Das einmalige Ambiente unserer Burg, das ein etwas barges Bühnenbild fordert, das es selbst schon Kulisse genug ist.

- Ein möglichst kleines Ensemble, um alle bei Proben und Aufführungen unter einen Hut zu bringen, da ja alle einem Beruf nachgehen, oder in Wien studieren. Dazu gehört auch, wenn möglich, eine Ausgewogenheit der Geschlechter bei der Rollenverteilung.

- Und dann fand ich noch eine Bearbeitung des Stoffes, die mich faszinierte, weil sie das Stück von einer etwas anderen Seite beleuchtet.

Natürlich haben mir Freunde und Kollegen bei der Wahl sehr geholfen. Stücke verworfen, Stücke gepriesen, gelesen, bis, ja bis eben der "Eingebildete Kranke" übrig geblieben ist.



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'Das Publikum will nicht von kuscheligen Wattestäbchen saubergebohrt werden und auch nicht von kleinen Massagestäbchen gekitzelt werden. Es will einen hell leuchtend glühenden Laternenpfahl als Theater in die deutschen Eingeweide gerammt bekommen.'

Werner Schwab (österreichischer Schriftsteller)

 
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