COVID-19 und die Bühne Heidenreichstein



Sehr geehrtes Publikum,
Wir leben in einer "neuen Normalität", und hoffen, dass wir bald wieder in die alte Normalität zurückkehren können. Nur bis dahin sehen wir uns außer Stande, Ihnen und uns das Theater zu bieten, das Sie und wir von uns gewohnt sind. Somit kamen wir zu dem, für uns wirklich schmerzhaften, Entschluss das Jahr 2020 vorbei ziehen zu lassen und alle Produktionen auf 2021 zu verschieben.

Wir werden weiter versuchen Ihnen auf unserer Facebook-Seite auf andere Art und Weise Kultur zu vermitteln.

Alle Abobesitzer brauchen nichts zu tun, die Abos behalten einfach für das Jahr 2021 ihre Gültigkeit.

Wir wünschen dennoch ein schönes 2020 und Xund bleiben!

Puppen

Theatersommer 1989

Ein Engel kommt nach Babylon

Autor: Friedrich Dürenmatt
Regie: Manfred Wurz

ZUM STÜCK
Eines der zentralen Motive der Komödie ist die Frage nach dem wahren Stellenwert des Menschen. Wer ist ein König, wer ist der Geringste der Menschen? Nebukadnezar verliert beim Wettbetteln und erscheint somit als Ärmster der Armen. Ist es nicht Akki in seiner Ungebundenheit, in seiner Freiheit, der uns als echter König gegenübertritt? Wie armselig wirkt dagegen Nebukadnezar in all seinen Ängsten. Er ist ein Gefangener seiner selbst und muß ständig fürchten, den Thron wieder an seinen Vorgänger Nimrod zu verlieren. Er ist es nicht wert, Kurrubi zu bekommen. Nur Akki kann sie retten, weil er die Freiheit der Welt und die Schönheit der Erde liebt.
Die aus dem Nichts erschaffene Kurrubi ist das Symbol der Gnade (Kurrubi = Cherub). Diese Gnade wird dem zuteil, der sich die Freiheit bewahrt hat - und das ist eben der Bettler.
König Nebukadnezar, ein gar nicht unsympathischer junger Mann, strebt nicht nur nach Macht, er strebt nach Vollkommenheit. Darum hat er auch die Bettlerei verboten, sie stört seine Vollkommenheit. Wie unfrei aber wirkt Nebukadnezar im Vergleich zum Bettler! Als König hätte er Kurrubi, die er mehr liebt als je einen Menschen zuvor, mit Gold überhäuft, als Geringster der Menschen aber tritt er die Gnade des Himmels mit Füßen. Wie unwichtig der Mensch Nebukadnezar ist, zeigt sich vor allem im dritten Akt, wo er mit seinem Vorgänger Nimrod zu einem Doppelwesen verschmilzt. Stets war das Streben nach Macht, das Bangen um den Thron das gleiche. Daher versagt Nebukadnezar, so wie alle versagen, die nur der Machtgier verfallen. Sein Tun bleibt ohne Gnade. Aus Trotz beginnt er den Turmbau, "mitten in das Herz meines Feindes". Wie alle seine Unterfangen ist auch dieses zum Scheitern verurteilt.
Der Grundgedanke des Stückes zeigt sich auch in den anderen Figuren. Letztlich fehlt allen die Bereitschaft zum Opfer und zum Verzicht. Alle "lieben" Kurrubi, doch keiner kann sich von seinem Besitz, von seinem Geld oder von seinem Ansehen trennen, um in den Genuß der Gnade zu gelangen. So bleibt das Mädchen den Menschen Babylons verwehrt. Als äußeres Zeichen ihrer inneren Unfreiheit werden sie am Ende auch noch von Nebukadnezar in Gefangenschaft gestürzt, er läßt sie "in einen Pferch zusammentreiben".
Über allem schwebt der Engel, anfänglich verwirrt, später begeistert und voller Staunen über die Wunder der Welt. Naiv und weltfremd sieht er überall nur Gnade, er mißversteht die Situationen und ignoriert die Hilferufe Kurrubis. So kann das in diese Welt gekommene Mädchen auch vom Himmel keine Hilfe erwarten, ganz auf sich allein gestellt, ist es einer fremden und feindseligen Wirklichkeit ausgeliefert. Sein einziger Retter ist Akki, der die Erde liebt wie der Engel der sie aber gleichzeitig in ihrem ganzen Wesen versteht und ihr deshalb auch gewachsen ist.
Er führt Kurrubi von den Menschen verstoßen, vom Himmel verlassen in ein neues Land.



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'Mensch: das einzige Lebewesen, das erröten kann. Es ist aber auch das einzige, das Grund dazu hat.'

Mark Twain (1835 - 1910)

 
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